Hippotherapie-Vortrag  
     
 
'Hippotherapie' bedeutet 'Krankengymnastik' oder 'Physiotherapie auf dem Pferd'. Hierbei dient das Pferd als Impulsgeber für den defekten Bereich eines Patienten.
Die Erkenntnis, dass sich der Umgang mit Pferden geistig sowie körperlich höchst positiv auf den Menschen auswirkt, gibt es schon lange, wurde jedoch erst spät als mögliche Therapieform erkannt.
Den Anfang machte ein Chefarzt in Bad Malente-Gremsmühlen, welcher nach dem 2. Weltkrieg auf die Idee kam, mit kriegsversehrten Soldaten, die ein Bein verloren hatten, zu arbeiten. Dabei nutzte er das Pferd, um ihr gestörtes Gleichgewicht wiederherzustellen.
Den Begriff „Reiten als Therapie“ prägte jedoch ein anderer. Der Arzt Max Reichenbach befasste sich als erster mit Pferden in einer Therapie für Behinderte. Erst 1970 wurde das Kuratorium für therapeutisches Reiten (KThR) gegründet, welches die Basis für die Etablierung des Reitens als Therapieform geschaffen hat. Heute ist es die größte Ausbildungsinstitution im Bereich des Therapeutischen Reitens.
In einer Fachzeitschrift von 1978 wurde die Unterteilung dieser Therapieform in drei Ausrichtungen beschrieben und gleichzeitig auch festgelegt. So entstanden die Bereiche der Hippotherapie mit medizinischem Schwerpunkt, das Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten mit pädagogischem Schwerpunkt und das Reiten mit einem sportlichen Schwerpunkt für Behinderte.
Theoretisch sind die Teilbereiche klar von einander getrennt, in der Praxis gibt es jedoch häufig Überschneidungen. Diese Unterteilung ist mittlerweile international anerkannt.
Die Hippotherapie wird besonders bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates oder bei Funktionsstörungen des Zentralnervensystems ärztlich verordnet. Eine Therapiestunde findet im Schritt statt. Dabei sitzt der Patient auf dem Pferd und bekommt über sein Becken die Bewegungsimpulse des Pferdes übertragen. So können einem gehbehinderten Menschen bestimmte Impulse, die ihm durch die Behinderung abhanden gekommen sind, durch die Bewegungen eines Pferdes übertragen werden. Diese Impulse wandern weiter in den Rücken des Patienten und über den Oberkörper ins Gehirn. Bei jedem Schritt des Pferdes verändert sich die Haltung und der Patient ist gezwungen, sich immer wieder neu auszubalancieren. Diese Reize wirken sich auf den gesamten Bewegungsapparat und das Gleichgewicht aus.
Ganz entscheidend dabei sind die seelischen Auswirkungen. Oft gibt der Umgang mit dem Pferd dem Patienten mehr Selbstbewußtsein durch die neue Körpererfahrungen und damit Entspannung und ein stärkeres Selbstvertrauen. Außerdem wird die Kooperationsfähigkeit und andere soziale Kompetenzen unter der Therapie gefördert. Verantwortungsgefühl, vorausschauendes Denken und Beobachtungsvermögen werden verstärkt vermittelt. Das Pferd stellt einen entscheidenden Motivationsfaktor dar und kann die Lebensqualität des Patienten erhöhen.
Das Therapeutische Reiten unterscheidet sich gegenüber anderen Therapieformen vor allem darin, dass nicht nur körperliche Erfolge erzielt werden, sondern auch eine enge Bindung zwischen Pferd und Patient entsteht. Somit sind die seelischen Erfolge, die das Therapeutische Reiten erreichen kann und damit andere Therapieformen überbietet, oft sehr subjektiv. Ein gesteigertes Selbstwertgefühl, ein „sich Wohlfühlen“, das bessere Lebensgefühl sind objektiv nicht messbar.
Das Heilpädagogische Reiten wird von Heilpädagogen angeboten, die eine zweijährige Zusatzausbildung zur „Fachkraft für heilpädagogische Förderung mit dem Pferd“ absolviert haben. Es müssen Kenntnisse im Bereich des Pferdesports nachgewiesen werden, sowie der „Abschluss eines Fachschulbildungsgangs im Sozialwesen oder ein mindestens gleichwertiger pädagogischer oder psychologischer Abschluss“. Die Hippotherapie darf nur von Physiotherapeuten durchgeführt werden, die eine dreiwöchige Zusatzausbildung und Pferdekenntnisse erworben haben.
Der Begriff Therapeutisches Reiten als Oberbegriff ist jedoch nicht geschützt.
Die Ausbildung der Therapiepferde erfolgt sehr gründlich, da sich Patient und Therapeut auf das Pferd als Partner verlassen können muss. Meist werden Ponys eingesetzt, da ihre Größe und ihr kräftiger Körperbau ideal sind. Die Pferde oder Ponys sollen ein ruhiges Gemüt und ein starkes Nervenkostüm mitbringen, da sie mit den unterschiedlichsten Aufgaben konfrontiert werden. Die Pferde müssen am Boden, sowie reiterlich gut ausgebildet sein. Außerdem werden sie mit den unterschiedlichen Materialien vertraut gemacht, die während einer Therapie zum Einsatz kommen können.
Die Kosten einer Hippotherapie werden von den gesetztlichen Krankenkassen nicht übernommen, da die Hippotherapie bisher zum Bereich der Alternativmedizin gehört. Es besteht aber die Möglichkeit, einen Antrag an die Krankenkasse zu stellen, die dann die Notwendigkeit einer Hippotherapie prüft und die Kosten teilweise oder ganz übernimmt. Diese Anträge werden immer häufiger bewilligt.
Auch bei privaten Krankenversicherungen erfolgt die Kostenübernahme nicht automatisch.
Der zuständige Arzt muss ein Rezept für die Hippotherapie ausstellen, um dann einen Antrag an die private Krankenversicherung zu stellen. Anschließend arbeiten Therapeuten und Ärzte zusammen und dokumentieren die Fortschritte des Patienten.
Die Entscheidung, ob die Hippotherapie generell in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen wird, kann noch mehrere Jahre dauern.

Weitere Infos unter www.hippo-nord.de und
für Gut Silk bei Ute Kording-Gagern unter hippotherapie-KG@web.de
 
     
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